Verkaufsoffene Sonntage in Deutschland

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Verkaufsoffene Sonntage und der Einzelhandel

An einem warmen Sonntagnachmittag einfach in die Stadt fahren, stundenlang bummeln gehen und mit vollen Tüten wieder nach Hause fahren. Was in anderen Ländern wie den USA bereits gang und gäbe ist, wird in Deutschland durch Gewerkschaften und Kirche vehement verteidigt. Zu Recht?!

Das Bundesverfassungsgericht argumentiert in seiner Entscheidung von 2009, das bloße wirtschaftliche Interesse von Verkaufsstellen und alltäglich Erwerbsinteresse der Käufer genüge nicht für die Ladenöffnung. Weiter wird in der Entscheidung von 2015 eingegrenzt, dass die Ladenöffnung an einem Sonntag in einem engen räumlichen Bezug zu einem konkreten Marktgeschehen stehen und der Besucherstrom der Märkte, Messen oder ähnlichen. Veranstaltungen den der Ladenöffnung übersteigen muss.

Damit wird festgesetzt, dass die Läden grundsätzlich an den Sonntag geschlossen zu halten sind, es sei denn, eine Veranstaltung lässt einen großen Besucherstrom erwarten, welcher gegeben falls in den Läden einkaufen gehen möchte. Da stellt sich doch die Frage, warum wird es so eng gesehen, wenn Verkaufsstellen von Waren an einem Sonntag geöffnet haben, jedoch Märkte, Theater oder andere Veranstaltungen problemlos geöffnet haben dürfen? Zwar sind das als Freizeitaktivitäten deklarierte Tätigkeiten, doch für immer mehr Deutsche fällt auch Shoppen unter diesen Begriff. Und einkaufen geht man schließlich dann, wenn man Zeit dafür findet, also in der freien Zeit.

Doch die Kirche möchte weiterhin an der Tradition festhalten, den Sonntag als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung zu erhalten. So wie es im Grundgesetz 1919 festgelegt wurde. Und auch die Gewerkschaften stellen sich auf ihre Seite. Nur leider halten sich die Arbeitszeiten nicht an biblische Wochenrhythmen. So nimmt der eine seine Arbeit mit nach Hause, während der andere an einem Sonntag an einem Kassenhäuschen der unzähligen Freizeitaktivitäten sitzen muss.

Entgegen aller Fortschrittlichkeit wäre es zu behaupten, man solle nun den Einzelnen dazu verpflichten an einem Sonntag innezuhalten und mit Gotteskraft zur Ruhe zu kommen, denn heute ist jeder selbst für seine Seelenruhe verantwortlich. Und ob er sich dafür nun die Kirchenbank oder den heimischen Sessel aussucht ist ihm überlassen. Zudem wird es für einige auch längst nicht mehr der Sonntag sein, der den Tag der Ruhe ausmacht. Vielleicht ist also an der Zeit für eine generelle Umstrukturierung; sollen sich die Ladenöffnungen an die Vielfalt der Arbeitszeiten und dem Bedürfnis der Kunden anpassen. Statt also an einem Sonntag die Türen geschlossen zu haben kann man das auf einen umsatzschwachen Tag in der Woche oder doch gleich alle Tage geöffnet haben.

Aber ist es wirklich wünschenswert das Zusammenleben von einem wachsenden Weltwirtschaftssystem anzutreiben. Sich gehetzt durch die Tagesplanung zu bewegen und sich nun auch an Sonntagen unter Konsumzwang zu stellen?

Klar dafür steht der Einzelhandel. Das Verkaufen steht für ihn natürlich an erster Stelle, koste es auch den freien Sonntag. Denn wenn er seinem größten Konkurrenten, dem wachsenden Onlinehandel, etwas entgegenstellen will, braucht er die verkaufsoffenen Sonntage. Denn dieser Tag ist einer der stärksten Einkaufstage im Internet. Und den Wettbewerb gegen ihn bestreitet man nicht mit toten Einkaufsgassen. Zu jeder Zeit des Tages können die Kunden kaufen was sie wollen. Von Lebensmitteln über Bücher bis hin zu Haushaltsgeräten. Das Internet kennt bekanntermaßen keinen Ladenschluss und es fehlt an nichts. Verständlich also, dass der Einzelhandel nachziehen will. Und auch die Verkäufer nehmen die Sonntage gerne als Arbeitstage wahr, wenn sie bis zu 30 % mehr Gehalt bekommen können.

Doch es ist anzuzweifeln, ob sich durch einen verkaufsoffenen Sonntag ein merkbarer Unterschied an Unternehmensgewinn verzeichnen lässt oder, ob dies nur zu einer Umsatzverlagerung führt. Denn wer am Sonntag aufhat, empfängt zwar dann die Kunden, läuft aber Gefahr, dass sie unter der Woche nicht mehr kommen.

Geld kann schließlich nur einmal ausgegeben werden. Betrachtet man dabei auch die gesetzliche Lage, die festlegt, dass ein dominierender Markt oder eine Veranstaltung als Grund für einen verkaufsoffenen Sonntag vorausgehen muss, der die Besucher anlocken soll, stellt sich doch die Frage, ob die gleiche Masse auch an einem Sonntag ohne Event erzielt werden kann. Zudem ist zu beachten, dass ein Tag mehr in der Woche an dem die Geschäfte geöffnet haben sich nur für die großen Handelsketten rentiert. Der kleine Traditionsbetrieb scheitert schon am Konkurrenten nebenan, weil er es sich nicht leisten kann an einem Sonntag die Ladentüren geöffnet zu haben. Die entscheidende Macht hat dabei der Konsument.

Denn er fällt letztlich die Wahl, ob er sein Buch in der Buchhandlung oder lieber online auf Amazon bestellen möchte. Doch den meisten ist dies nicht bewusst. Dabei liegt es in der Verantwortung eines jeden den Einzelhandel zu unterstützen, will er nicht demnächst durch leere Einkaufspassagen spazieren gehen. Und wenn sich der Kunde dann doch entscheidet, lieber die Onlinemärkte zu durchforsten als den Laden in der Innenstadt, kann es noch das ganze Jahr über verkaufsoffene Sonntage geben, dem Einzelhandel wird das nichts mehr nutzen. Lässt man den Konsumenten aber entscheiden, ob es einen verkaufsoffenen Sonntag in Deutschland geben soll oder nicht, sind sich nicht einig. Die Mehrheit liegt derzeit bei gerade einmal 59 %.

Dies zeigt deutlich, wie geteilt das Land hinsichtlich dieser Frage ist. Schließlich gibt es auf jeder Seite Verlierer und Gewinner. Es wäre aber niemandem damit geholfen Hals über Kopf den deutschen Einzelhandel umzukrempeln und die Sonntage als Werktage zu deklarieren, und damit den Menschen des freien Tages zu berauben, ohne überhaupt einen Messwert dafür zu haben, ob es sich wirtschaftlich und gesellschaftlich positiv auswirkt.

Ein Aufsatz von Laura Stieler